Filmübersicht StimmRecht


Programmhinweise - Remake präsentiert (sich)

Kurzfilmprogramm und Eröffnung

100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland – 50 Jahre feministische Filmarbeit: Das Programm eröffnen Dokumente der Suffragettenbewegung – Emily Davisons außerordentliche und für sie fatale Aktion, Protestmärsche, Massenversammlungen, die ersten weiblichen Abgeordneten. Es folgt ein Dokufiction, in dem die Fernsehansagerin mit Mitteilungen aus dem Underground des Frauenlebens in die vertraute Nachrichtenwelt der BRD einbricht. Programmhinweise. Um die gleiche Zeit, Anfang der 1970er Jahre, als dieser Film entstand, entdeckte die Frauenbewegung La Souriante Mme Beudet wieder. Ein Film, der in seinem Spiel mit Szenen einer Ehe zum Klassiker feministischen Kinos wurde. May Spils Künstlerinnenselbstporträt macht sich farbenfroh über das Geniegetue lustig. Schwerer als Spils Das Porträt wiegen die letzten beiden Arbeiten im Programm: Film war für Sarah Maldoror eine Waffe im Befreiungskampf und ähnlich war es auch die Stimme der Sängerin Toto Bissainthe, der dieses kurze Porträt gewidmet ist. Der Einmischung der Kamera in politischen Aufruhr verdanken wir schließlich das Dokument des ersten Widerstands gegen die noch während der iranischen Revolution vom März 1979 einsetzende Reaktion der Khomeini-Regierung – eines Widerstands der Frauen: Mouvement de libération des femmes iraniennes, année zéro.
„Nach Meinung der Linken spalteten die Frauen die Revolution und den Klassenkampf. Sie beurteilten deren Anliegen als ‚trivial‘ und ‚bourgeois‘. Die Islamisten warfen den Frauen wiederum Degeneration, ‚Westoxication‘ sowie Feindschaft gegenüber dem Islam vor. […] Am Abend des 7. März 1979 wurde das von Khomeini erlassene Dekret zum Kopftuchzwang veröffentlicht. Am Morgen des 8. März fanden sich zum Protest dagegen 5000 Frauen an der Teheraner Universität ein, kletterten über das von Islamisten versperrte Tor und zogen in die Stadt. Zum ersten mal stieß die sich neu etablierende Ordnung auf Widerstand.“ (Sandra Schäfer/Madeleine Bernstorff, Kabul/Teheran 1979ff, 2006)

Die Stummfilme werden am Flügel begleitet von Eunice Martins.


GB 1910, P Pathé Frères Cinema, Kopie s/w, 35mm, 3 min, stumm, BFI National Archive

Es war einer der frühesten Massenmärsche, der von der Frauenwahlrechtsbewegung organisiert wurde. Bis zu 15.000 Frauen marschierten vom Embankment zur Royal Albert Hall, um die Reden von Christabel Pankhurst und anderen Anführerinnen der Suffragetten zu hören. (Ros Cranston, Make More Noise! Suffragettes in Silent Film)


GB 1910, P Pathé Frères Cinema, Kopie s/w, 35mm, 44 s, stumm, BFI National Archive

In zwei Einstellungen zeigt dieses Wochenschau-Fragment die Proteste für das Frauenwahlrecht (Votes for Women) auf dem Trafalgar Square im Sommer 1910, als Suffragetten der Nationalen Vereinigung für das Frauenwahlrecht (National Union of Suffrage) Petitionen präsentierten, unterschrieben von Männern aus englischen Städten und Großstädten als Zeichen der Unterstützung. (Edward Anderson, Make More Noise! Suffragettes in Silent Film)


GB 1913, P Gaumont Graphic, Kopie s/w, 35mm, 5 min, stumm, BFI National Archive

Dieser Ausschnitt der Wochenschau dokumentiert ein maßgebliches Ereignis in der Kampagne für das Frauenwahlrecht: Der Tod der Aktivistin Emily Davison, die 1913 während des Epsom Derbys vom Pferd des Königs Georg V. zu Tode getrampelt wurde. […] Hundert Jahre später werden ihre Motive noch immer diskutiert und obschon dieser Film nichts über ihren Gemütszustand aussagt, muss sie sich des Ausmaßes der Presseberichterstattung an diesem Tag bewusst gewesen sein […]. (Holly Hyams, Make More Noise! Suffragettes in Silent Film)


D 1970, R, B, S, D Christiane Gehner, K Christian Bau, T Klaus Wyborny, Kopie Farbe, DCP von 16mm, 10 min, dt. OV mit engl. UT, KurzFilmVerleih Hamburg


F 1922, R Germaine Dulac, B André Obey, nach einem Stück von Denys Amiel und André Obey, K Maurice Forster, Paul Parguel, P Charles Delac, Marcel Vandal (Film d’art), D Germaine Dermoz, Alexandre Arquillère, Jean d’Yd, Madeleine Guitty, Yvette Grisier, Raoul Paoli, Armand Thirard, Kopie s/w, 35mm, 38 min, stumm, frz. und dt. ZT, EYE Film Instituut Nederland

Ehealltag in der Provinz. Eintönige Tage, leere Zeit, die die sensible Ehefrau im Haus verbringt oder mit Freunden und Freuden, die so stumpfsinnig sind wie der Ehemann. Kleine Fluchten in die Gesellschaftsillustrierten und die Fantasien, die aus ihnen aufblühen. Den Tod des Haustyrannen ersehnen, inszenieren und – verfehlen. Resignation in den grauen Kleinstadtstraßen. Das Theater der Ehe geht weiter. Durch die feministische Rezeption wurde dieser Film zu einer der bekanntesten und am häufigsten gezeigten Arbeiten Dulacs. (Heide Schlüpmann, Germaine Dulac. Der Film ist ein weit auf das Leben geöffnetes Auge, 2017)


D 1966, R May Spils, B Werner Enke, Joachim Wedegärtner, May Spils, K Gerhard Fromm, Peter Rohe, S Jutta Brandstaedter, D Werner Enke, May Spils, Kopie Farbe, 35mm, 10 min, dt. OV, Stiftung Deutsche Kinemathek, May Spils

May Spils ist als Regisseurin zwar Autodidaktin, aber schon ihr erster Film Das Porträt, ein kluger und lustiger kurzer Farbfilm über die Schwierigkeiten der Künstlerin bei der Herstellung eines Selbstbildnisses, wurde 1966 bei der Internationalen Filmwoche Mannheim ausgezeichnet. (Sabine Schöbel, Programmheft Aufbruch der Autorinnen II, 2016)


F 1984, R Sarah Maldoror, Kopie Farbe, DVD, 5 min, frz. und kreol. OV mit elektr. dt. UT

„Sarah Maldoror […] wird voller Respekt als Matriarchin des afrikanischen Kinos bezeichnet (sie war die erste schwarze Frau, die einen Spielfilm drehte). Schon seit ihren ersten Filmerfahrungen verstand sie das Filmemachen als eine Waffe im Befreiungskampf.“ (African Film Festival New York, Biographie Sarah Maldoror)
Ihr Film Toto Bissainthe portraitiert die gleichnamige haitianische Sängerin und Schauspielerin. Maldoror und Bissainthe gehörten in den 1960er Jahren wie auch u.a. Samb Makharam oder Timité Bassori zum Theaterensemble „Les Griots“.


F 1979, R Sylvina Boissonnas, Claudine Mulard, B Claudine Mulard, K Sylvina Boissonnas, Michelle Muller, Sylviane Rey, S, T Michelle Muller, P Des Femmes Filment, Kopie Farbe, 16mm, 13 min, frz./pers. OV mit elektr. dt. UT, AFDI Archiv für Forschung und Dokumentation Iran-Berlin e.V.

1979 laden iranische Frauen die amerikanische Feministin Kate Millett ein, den 8. März, den Internationalen Frauentag, in Teheran zu feiern. Am 7. März verkünden die religiösen Führer, dass Frauen den islamischen Schleier zu tragen haben. Vom 8. bis zum 13. Mai demonstrieren Frauen und Liberale in den Straßen gegen den Schleier. Ein Team von vier französischen Feministinnen filmte diese historischen Ereignisse, bevor sie von den Mullahs ausgewiesen wurden. (Claudine Mulard)


Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums

D 1971, R, B Cristina Perincioli, K Gisela Tuchtenhagen, S Suse Jäger, M Ton Steine Scherben, T Valeska Schöttle, P Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin, D Helga Freyer, Edda Hertel, Ulla Lange, Jeanine Rickmann, Kopie Farbe, 16mm, 28 min, dt. OV, Stiftung Deutsche Kinemathek

Vier Verkäuferinnen in einem Selbstbedienungsladen solidarisieren sich gemeinsam gegen ihren Arbeitgeber, als sie erfahren, dass ihr junger Vorgesetzter mehr verdient als sie. „In diesem Film wird gezeigt, welche zwischenmenschlichen Probleme Frauen unter sich klären müssen, bevor sie gemeinsam gegen den Unternehmer vorgehen können. Nachdem wir das erkannt hatten, haben wir Frauen gemeinsam diesen Film geschrieben und ihn selbst gedreht. Das hat Spaß gemacht. Unsere Erkenntnis dabei war: Wir brauchen keine liberalen Filmer, die sich der Emanzipation annehmen. Wir fordern die Mittel in unsere Hand!“ (Cristina Perincioli)


D 1976, R, B Edith Schmidt-Marcello mit Beate Scheunemann, Ulrike Krasberg, Gisela Zehm u.a., P WDR, Kopie Farbe, DVD von 16mm, 47 min, dt. OV, Edith Schmidt-Marcello

Der Film entstand im Winter 1975/1976 und sollte die Arbeit und Erfahrungen des Frauenzentrums Eckenheimer Landstraße in Frankfurt a. M. dokumentieren, das 1973 gegründet worden war. Einige Frauen des Zentrums hatten sich für diesen Film zu einer kleinen Arbeitsgruppe zusammengefunden, darunter Beate Scheunemann, Ulrike Krasberg, Gisela Zehm. Im Mittelpunkt der Aktivitäten des Zentrums, das etwa 20 verschiedene Arbeitsgruppen hatte, stand zu dieser Zeit der Kampf gegen den § 218, der damals auf dem Höhepunkt war. Die Frauen organisierten Bus-Fahrten nach Holland zum Schwangerschaftsabbruch, worauf die Frankfurter Polizei versuchte, das Frauenzentrum zu kriminalisieren (Edith Schmidt-Marcello).

Im Anschluss Gespräch mit Silvia Kontos

 


Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums

GB 1915, P Topical Film Company, Kopie s/w, 35mm, stumm, 1 min, BFI National Archive

Am Anfang des Ersten Weltkrieges setzen die britischen Suffragetten ihre Kampagne für das Frauenwahlrecht aus. Stattdessen boten sie ihre Hilfe für die Mobilisierung von Frauen zur Arbeit in Munitionsfabriken an. Diese beeindruckenden Kundgebungen sollten ihre patriotische Solidarität unterstreichen. Obwohl nicht überall willkommen, erwiesen sie sich als kluger Schachzug, der dafür sorgte, dass die Aktivistinnen in den letzten Monaten des Krieges ihren Platz sicherten. (Ros Cranston, Make More Noise! Suffragettes in Silent Film)


CH 2017, R, B Petra Biondina Volpe, K Judith Kaufmann, S Hansjörg Weissbrich, M Annette Focks, P Lukas Hobi, Reto Schärli, D Marie Leuenberger, Max Simonischek, Rachel Braunschweig, Sibylle Brunner, Marta Zoffoli, Bettina Stucky, Kopie Farbe, DCP, 96 min, schwz.dt. OV mit dt. UT, Die Filmagentinnen/Alamode Film

Der Film leuchtet wie mit dem Brennglas in die reaktionäre, verschlossene Welt der kleinbürger­lichen Schweiz der Nachkriegszeit. Er besticht durch seine charmant-verspielte, witzige, tragische Inszenierung und seine hervorragenden Schauspielerinnen. Er ist wohltuend differenziert und zeigt, dass auch Männer unter der rigiden Rollenverteilung leiden, ja an dieser zerbrechen können. Die göttliche Ordnung ist nicht zuletzt deshalb ein wichtiger Film, weil die jüngere Generation kaum mehr etwas über diese Kämpfe weiß: über die späte Korrektur der größten politischen Schande des modernen Bundesstaates – und darüber, dass die Demokratie in der Schweiz darum erst 46 Jahre alt ist (Anita Fetz, Die Zeit, Nr. 11/2017).


Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums


Weitere Spieltermine "Die göttliche Ordnung"

Murnau-Filmtheater Wiesbaden

GB 1917, P War Office Cinematograph Committee, Kopie s/w, 35mm, 10 min, stumm, BFI National Archive

Die Frauen in diesem Film sind alle sehr jung und verdienten viel mehr Geld, als sie es sich jemals als Bedienstete, in der Landwirtschaft oder in privaten Unternehmen hätten erträumen können. Zeitgenössischen Berichten zufolge entwickelten sie so einen Geschmack für Unabhängigkeit, den sie nach Ende des Krieges nur schwer wieder aufgeben würden. (Bryony Dixon, Make More Noise! Suffragettes in Silent Film)


GB 1926/1927, R Maurice Elvey, B Victor Saville nach einem Stück von Stanley Houghton, K Jack E. Cox, William Shenton, S Gareth Gundrey, P Victor Saville, Maurice Elvey, D Estelle Brody, John Stuart, Norman McKinnel, Irene Rooke, Marie Ault, Humberstone Wright, Arthur Chesney, Gladys Jennings, Alf Goddard, Cyril McLaglen, Peggy Carlisle, Kopie s/w, 35mm, 116 min, stumm , engl. ZT und elektr. dt. UT, BFI National Archive

In Maurice Elveys Hindle Wakes läßt sich die Fabrikarbeiterin Fanny Hawthorn (Estelle Brody) während des jährlichen Ausflugs zum traditionellen Vergnügungsbadeort Blackpool – dem britischen Pendant zu Coney Island – mit Allan Jeffcote (John Stuart) ein, dem Sohn des Fabrikbesitzers. […] Als die Familien auf Heirat drängen, weigert sich Fanny, erklärt Allan zu ihrer „little fancy“ und nimmt sich damit die Freiheit sexueller Libertinage jenseits von Romanze und Ehe. Erstaunen und Entsetzen auf Seiten beider Parteien. […] Die Art, wie sie in einer der letzten Einstellungen des Films den Hebel einer Maschine umlegt, die die Spindeln zum Rotieren bringt, ist mehr als ein symbolisches Bild. Darin kristallisiert sich ihr Bekenntnis zur Arbeit und die entscheidende Rolle, die sie ebenso für diese wie jene für sie spielt. In derselben Szene nimmt sie die Einladung eines Fabrikkollegen zum Kino an. So kommen Arbeitswelt und Freizeitkultur der Neuen Frauen in einem Bild zusammen. Hindle Wakes ist einer der wenigen Filme, der Arbeit über Ehe, Romantik und Liebe triumphieren läßt und damit die Brücke schlägt zwischen den Anliegen der ersten und der zweiten Frauenbewegung nach Selbstbestimmung in Berufstätigkeit und Sexualität (Annette Brauerhoch, City Girls – Frauenbilder im Stummfilm, 2007).

Am Flügel begleitet von Eunice Martins


Kino des Deutschen Filminstituts & Filmmuseums

F 2017, R, B Amandine Gay, K Enrico Bartolucci, S Enrico Bartolucci, Amandine Gay, P Enrico Bartolucci, Amandine Gay (Bras de Fer), Kopie Farbe, DCP, 122 min, frz. OV mit dt. UT, eksystent distribution

Speak Up entstand aus der Notwendigkeit, dass schwarze Frauen die Deutungshoheit über ihr Narrativ zurückgewinnen, denn als Frauen bzw. als Schwarze wurden ihre Stimmen viel zu oft unterdrückt. Der Film feiert außerdem unsere afroeuropäische Vielfalt: Schwarze Frauen, die in Frankreich und Belgien geboren sind – oder auch nicht; mit französischen, belgischen oder zugewanderten Eltern; aller Glaubenszugehörigkeiten – oder auch keiner Konfession; aller sexuellen Orientierungen, usw. Speak Up ist ein politisches Porträt europäischer französischsprachiger schwarzer Frauen, die ihre komplexen, vielschichtigen Identitäten und Wirklichkeiten mit Leben füllen. […] In unseren emanzipatorischen Kämpfen spielte Kunst immer eine wichtige Rolle, daher ist Speak Up für mich meine Art unsere Geschichte zu feiern, besonders wenn es um den Widerstand schwarzer Frauen geht: Marronage [die organisierte Flucht von sog. Marrons aus der Sklaverei, Anm. d. Übers.], kreolische Kultur, Panafrikanismus und Afrofeminismus. Wir lassen uns nicht mundtot machen, wir lassen uns nicht auslöschen und wir bestimmen unsere Repräsentation selbst (Amandine Gay, 2017).

Der Film läuft in der FEMMES TOTALES Filmtour 2. 

Im Anschluss Gespräch mit Hadija Haruna-Oelker

Hinweis: Aufgrund der hohen Nachfrage wird der Film am Samstag, 10.11.18 um 22.30 Uhr in der Pupille - Kino in der Uni wiederholt.


Orfeos Erben


Pupille - Kino in der Uni


Begrüßung zu den Frankfurter Frauen Film Tagen 2018: Frauenrechte und feministische Filmarbeit 1910-2017


GB 1910, P Pathé Frères Cinema, Kopie s/w, 35mm, 3 min, stumm, BFI National Archive

Es war einer der frühesten Massenmärsche, der von der Frauenwahlrechtsbewegung organisiert wurde. Bis zu 15.000 Frauen marschierten vom Embankment zur Royal Albert Hall, um die Reden von Christabel Pankhurst und anderen Anführerinnen der Suffragetten zu hören. (Ros Cranston, Make More Noise! Suffragettes in Silent Film)


Es sprechen
Jutta Brückner, Berlin
Laura Mulvey, London

Im Anschluss an das Filmprogramm Empfang


Ein Programm, das Aufbruch und Aufruhr von Frauen über sieben Dekaden des 20. Jahrhunderts hin zeigt. Es beginnt mit den Dokumenten der Protestaktion einer Suffragette, die dabei ihr Leben verlor: 1913 warf sich Emily Davison auf dem Epson Derby einem Pferd des Königs entgegen, griff ihm in die Zügel. Gleich zwei Filmteams waren zugegen. Auch der nicht enden wollende Zug von Suffragetten mit Transparenten, von Sympathisantinnen und Sympathisanten wurde dokumentiert. – Ein Zeitsprung: Die Feministinnen der 1970er Jahre schalten sich in das Newsreelmedium ihrer Zeit ein. In London mit einer Serie, Hang on a Minute, aus der wir einen Beitrag zeigen. Es folgt ein Dokufiction, eine Ansagerin unterbricht den üblichen Nachrichtenfluß im Deutschen Fernsehen mit Meldungen aus dem Untergrund des Frauenlebens. Aufbegehren gegen die weibliche Rolle. Mit Amateurfilmaufnahmen zeigt Jan Oxenberg in Home Movie, wie sich Unangepasstheit schon beim kleinen Mädchen zeigt, wie die Collegestudentin vergeblich versucht, sich in das heterosexuelle Schema einzupassen. Und welche Befreiung am Ende die Lesben- und Schwulenbewegung der 70er Jahre brachte. At Land wiederum stellt eine Emanzipation weiblicher Imagination dar, und, wie Christine N. Brinckmann 1984 schrieb: für Frauen ist „die freie Bewegung der Imagination ein Durchbruch von der ganz anderen Dimension als für Männer“. 
Die Suffragettenbewegung wurde von bürgerlichen Frauen getragen. Eine andere Gestalt hatte das Aufbegehren in der Arbeiterklasse. Arbeiterinnen-Streiks erlangten in den 70ern die Aufmerksamkeit feministischer Filmarbeit. 1969 bereits drehte Madeline Anderson im Auftrag der Hospital Workers Union Local 1199 den Dokumentarfilm über einen Streik von mehr als 400 schwarzen Krankenhaus- und Pflegeheimschwestern in Charleston, South Carolina. Er dauerte 100 Tage und wurde von Coretta Scott King mit einer eindrucksvollen Rede unterstützt. Anderson zu ihrem Film I Am Somebody: „I knew that the obstacles that were before me were based on gender, race and politics... I tried to make a film that reflected my experience through their eyes.“ Die Relevanz dessen, dass Frauen ihre Stimme erheben, bringt Now! zum Ausdruck. Ein rasanter Foundfootagefilm, mit Bildern von rassistischer Gewalt und den Kämpfen der Schwarzen Bürgerrechtsbewegung, aus denen Lena Hornes mitreißender Gesang ausbricht, zur Befreiung aufbricht


GB 1913, P Topical Budget, Kopie s/w, 35mm, 5 min, stumm, BFI National Archive

Die Kameramänner der Topical Filmgesellschaft filmten dieses berühmte, jährlich stattfindende Pferderennen am 4. Juni 1913, als die Suffragette Emily Davison vor das Pferd König George lief. Ohne den Ernst dieses Vorfalls zu bemerken, filmten die Kameramänner die Ereignisse des Tages weiter. [...] Vier Tage später, nachdem Davison ihren Verletzungen erlegen war, reagierten die Wochenschauen mit der erneuten Veröffentlichung des Filmmaterials. (Holly Hyams, Make More Noise! Suffragettes in Silent Film)


GB 1913, P Pathé Frères Cinema, Kopie s/w, 35mm, 2 min, stumm, BFI National Archive

Während des Epsom Derbys im Jahr 1913 trat Emily Davison vor das königliche Pferd und starb vier Tage später an ihren Verletzungen. Zu ihrer Begräbnisfeier in der Londoner Kirche St. George’s Bloomsbury erschienen zahlreiche Trauernde, darunter durch ihre Aufmachung unverkennbar Suffragetten und Stimmrechtler. (Bryony Dixon, Make More Noise! Suffragettes in Silent Film)


GB 1984, R Lis Rhodes, Joanna Davis, B Lis Rhodes, M Lindsay Cooper, P Four Corners Films, D Lily Greenham, Kopie s/w, 16mm, 3 min, Cinenova Distribution

Lis Rhodes Gedicht widmet sich den Momenten vor der Umsetzung eines politischen Gedankens in eine konkrete physische Aktion, am Beispiel der Frauen, die den Raketenstützpunkt in Greenham belagerten.
Dies ist einer von dreizehn einminütigen Filmen, die sich aus einer Reihe kurzer Gedichte von Lis Rhodes entwickelten. Sie reflektieren die traditionellen Unterdrückungsmuster im Leben der Frauen (Pornografie, Gewalt, Atomwaffen) und die vielfältigen Formen des Widerstands dagegen. Die Filmreihe entstand in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Jo Davis und wurde vom Fernsehsender Channel 4 in Auftrag gegeben. (Katalog Luxonline)


D 1970, R, B, S, D Christiane Gehner, K Christian Bau, T Klaus Wyborny, Kopie Farbe, DCP von 16mm, 10 min, dt. OV mit engl. UT, KurzFilmVerleih Hamburg

Die spätere Fotochefin des Spiegels spielt in ihrem Kurzfilm Programmhinweise eine adrette Fernsehansagerin, die beim Moderieren plötzlich über Orgasmusschwierigkeiten und ihr persönliches Unglück als Frau in einer männerdominierten Gesellschaft spricht: „Ich weiß nicht, ob ich mich nicht doch lieber den Ansprüchen der Männer fügen soll, denn schlimmer als die Unterdrückung ist die Isolation.“ (Christoph Twickel, Die Zeit, Nr.41/2017)


US 1975, R, B, S Jan Oxenberg, K La Sylvia, Joan Weidman, Jan Oxenberg, Donna Deitch, M Debra Quinn, T Judith Dancoff, Kopie Farbe, 16mm, 12 min, engl. OV und elektr. dt. UT Cinenova Distribution

Am klarsten kommt das ironische Wechselspiel zwischen Bild und Sprache in Jan Oxenbergs Home Movie zum Ausdruck. Die Filmmacherin hinterfragt die Homemovies ihrer Eltern, die sie als kleines Mädchen zeigen. [...] Über diesen Bildern ist eine nachdenkliche Stimme zu hören [...] Vom Kontrast ist die Rede zwischen der ´normalen´ Außenwelt und dem inneren Gefühl, ´anders´ zu sein. [...] an einer Stelle schaut die kleine Jan so aufmüpfig in die Kamera, als wolle sie sagen, daß sie nicht das kleine weibliche Wesen ist, das die Eltern gerne auf den Film bannen würden. (Richard Dyer, Now You See It: Studies on Lesbian and Gay Film, 1990)


US 1944, R, B Maya Deren, K Hella Heyman, Alexander Hammid, D Maya Deren, John Cage, Alexander Hammid, Hella Heyman, Parker Tyler, Kopie s/w, 16mm, 15 min, ohne Ton, Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.

Unter einem Gesichtspunkt ist der Film, wie mir scheint, absolut gelungen: die komplizierten Techniken sind mit einer solchen Subtilität ausgeführt, daß man sich der Eigenartigkeit des Filmes beim Betrachten nicht bewußt wird. Erst hinterher, wie nach einem Traum, realisiert man, wie seltsam die Ereignisse waren, und ist erstaunt über die scheinbare Normalität, in der sie erschienen sind. (Maya Deren, Choreographie für eine Kamera, 1995)


US 1969, R, S Madeline Anderson, P Madeline Anderson, American Foundation of Non-Violence, D Coretta Scott King, Ralph Abernathy, Leon Davis, Andrew Young, Kopie Farbe, 16mm, 28 min, engl. OV und elektr. dt. UT, Icarus Film

1969 wird Madeline Anderson von der Krankenhaus-Gewerkschaft Local 1199 beauftragt, einen Streik am Medical College Hospital der Universität von South Carolina in Charleston aufzuzeichnen. Die Mitarbeiter streiken für die Anerkennung der Gewerkschaft und für gerechte Löhne. Von den vierhundert streikenden Mitarbeitern sind bis auf zwölf Mitarbeiter Frauen und alle von ihnen schwarz. Der so entstandene Dokumentarfilm I Am Somebody gilt als der erste halbstündige Dokumentarfilm einer gewerkschaftlich organisierten, weiblichen Afro-Amerikanerin. (Stacey Doyle, Black Film Center/Archive: Madeline Anderson & I Am Somebody, 2013)


CUB 1965, R, B Santiago Álvarez, K Pepín Rodríguez, Alberto Hernández, S Norma Torrado, Idalberto Gálvez, T Adalberto Jiménez, P ICAIC D Lena Horne, Kopie s/w, 35mm, 6 min, span. OV, Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.

Mit Now! schien das Kino damals über Nacht zu einem völlig neuen Idiom gefunden zu haben. Die Musik, der gesamte Sound von Álvarez‘ Film stammte von Lena Horne. Dazu Bilder vom Kampf gegen Rassendiskriminierung in den USA, Fotos von Lyndon B. Johnson, Wochenschausujets von der Gewalttätigkeit der Polizei, Bilder aus Comic Strips und Aufnahmen von Black Panther-Demonstrationen. (Alexander Kluge, Programmheft DOK Leipzig, 2012)


Pupille – Kino in der Uni

GB 1984, R Lis Rhodes, Joanna Davis, M Lindsay Cooper, P Four Corners Films, D Lily Greenham, Kopie Farbe, 16mm, 2 min, engl. OV, Cinenova Distribution

„Revolution ist nichts als ein Gedanke, der in die Tat umgesetzt wird.“ Emma Goldman, 1869-1940
Dies ist einer von dreizehn einminütigen Filmen, die sich aus einer Reihe kurzer Gedichte von Lis Rhodes entwickelten. Sie reflektieren die traditionellen Unterdrückungsmuster im Leben der Frauen (Pornografie, Gewalt, Atomwaffen) und die vielfältigen Formen des Widerstands dagegen. Die Filmreihe entstand in Zusammenarbeit mit der Künstlerin Jo Davis und wurde vom Fernsehsender Channel 4 in Auftrag gegeben. (Katalog Luxonline)


SU 1927, R Abram Room, B Abram Room, Viktor Shklovskiy, K Grigori Giber, P Sovkino Studio, D Nikolay Batalov, Lyudmila Semyonova, Leonid Jurenev, Vladimir Fogel, Yelena Sokolowa, Mariya Yarotskaya, Kopie s/w, DCP von 35mm, 86 min, stumm, engl. UT und elektr. dt. UT, Lobster Films

Einführung Rosalinde Sartorti

Freie Liebe, eine emanzipierte Frau, ein Komsomolzen-Dreieck im proletarischen Moskau der NÖP-Zeit. Bett und Sofa wechseln ihre Belegung so oft hin und her wie die entfesselte Kamera ihre Perspektiven und Ljuda ihre Beischläfer. Doch die sind in erster Linie eines, nämlich tendenziell unaufmerksame Männer, und so verlässt sie, schwanger, die Welt der Dritten-Kleinbürger-Straße. […] Abram Room entfaltet – „leidenschaftlich, talentiert, nervös, kühn und unternehmungslustig“ (Viktor Shklovskiy) und heute leider fast vergessen – eine fulminante, in nur 16 Tagen gedrehte Feinjustierung des Alltags, bestehend aus Vertov’scher Großstadt-Symphonik, Kulešov’schem Esprit und italienischem Neorealismus avant la lettre (Barbara Wurm, Programmheft Österreichisches Filmmuseum, Mai 2006).

Am Flügel begleitet von Eunice Martins


Pupille - Kino in der Uni


Weitere Spieltermine "Tretya meshchanskaya"


Filmtheater Friedrichsdorf-Köppern
mit deutsch eingelesenen Zwischentiteln

I 1972, R Elda Tattoli, B Elda Tattoli, Marco Bellocchio, K Dario Di Palma, M Norman Cipriani, Stelvio Cipriani, S Elda Tattoli, Mario Morra, P Ultra Film, D Bedy Moratti, Mario Piave, Francisco Rabal, Lilla Brignone, Marina Berti, Bianca Verdirosi, Kopie Farbe, 35mm, 90 min, ital. OV mit elektr. dt. und engl. UT, Cineteca di Bologna

Einführung Borjana Gaković, Sabine Schöbel

Auch in der Frauenbewegung ist der Film mehr oder weniger in Vergessenheit geraten, von vereinzelten Aufführungen in Deutschland und der Schweiz abgesehen. In den USA ist er nie rezipiert worden. Über die Gründe dieser Vernachlässigung kann man spekulieren. Kam Pianeta Venere zu früh heraus, noch bevor die feministische Filmarbeit richtig in Fahrt war, und passte er dann, in Thema und Ton, nicht in die Zeit? Der Film entwickelt die Geschlechterproblematik aus den konkreten Erfahrungen einer intellektuellen Italienerin, die um 1930 geboren ist, und aus der bürgerlichen und politischen Kultur der 50er Jahre, aus den Problemen einer Generation also, die mit der Frauenbewegung der 70er Jahre nur bedingt kompatibel war. Seine einsame, auf romantische Liebe, den bedingungslos verehrten Ehemann und auf große Kommunisten fixierte Protagonistin stand im Kontrast zu den neuen, anders sozia­lisierten, solidarischen Frauengruppen; sein melancholischer, desillusionierter Ton wider­sprach der Aufbruchsstimmung, obschon Tattolis Protagonistin ebenfalls neu beginnt (aber unter traumatischen Bedingungen und ohne daß ihre Zukunft gezeigt würde – das Ende bleibt offen) (Christine N. Brinckmann, Frauen und Film Nr. 62, 2000).


Pupille – Kino in der Uni

N 1971, R Vibeke Løkkeberg, B Halvor Elvik, Vibeke Løkkeberg, K Jan Knutzen, T Nils BjöIgerun, P Norsk Dokumentarfilm A/S, Kopie Farbe, 16mm, 40 min, norweg. OV mit dt. UT und elektr. engl. UT, Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.

Einführung Sibylla Flügge 

die probleme einer unerwünschten schwangerschaft werden an der geschichte eines 16-jährigen mädchens gezeigt, das nicht nur allein den weg zur gutachterstelle finden muss, sondern an der schwangerschaft auch merkt, dass sie weder mit ihrer mutter noch mit ihrem freund sprechen kann, dass ihre freundin ihr nicht helfen kann und dass sie ärzten und behörden ausgeliefert ist. eine ärztin gibt genaue informationen über die verringerung medizinischer komplikationen bei anwendung der absaugmethode. der film endet mit einer bildmontage zu einem lied bertolt brechts über die abtreibung. dies ist ein klarer und schöner film zu diesem problem, der sich vor allem zur diskussion mit jungen mädchen eignet (Frauen und Film Nr. 2, 1974).


GB 1976, R London Women’s Film Group, P London Women’s Film Group, British Film Institute Production Board, D Anthea Meadows, Peter Powell, Johnnie Clarke, Kopie Farbe, 16mm, 37 min, engl. OV und elektr. dt. UT, BFI National Archive

Whose Choice? wurde von der londoner women’s film group gedreht, diese gruppe hatte sich im januar 1972 im rahmen der frauenbewegung mit dem ziel gegründet, filme zu machen, die frauenthemen aufgreifen und, in jüngster zeit, die ästhetischen und technischen probleme einer feministischen filmpraxis anzugehen. […] Whose Choice? sollte der national abortion campaign zur verfügung gestellt werden […] und außerdem ganz allgemein die diskussion in frauengruppen, im unterricht oder öffentlichen veranstaltungen als gezieltes stück propaganda unterstützen. der film sollte dazu beitragen, das thema abtreibung in die öffentlichkeit zu bringen (Christine Gledhill, Frauen und Film  Nr. 16, 1978).


Pupille – Kino in der Uni

D 1930, R Hans Tintner, B Hans Tintner nach einem Bühnenstück von Friedrich Wolf, K Günther Krampf, S Herbert Selpin, M Willy Schmidt-Gentner, P Hans Tinter für Atlantis-Film GmbH, D Grete Mosheim, Herma Ford, Nico Turoff, Margarete Kupfer, Claus Clausen, Ludwig Andersen, Paul Henckels, Louis Ralph, Paul Kemp, Hermann Vallentin, Josefine Dora, Kopie s/w, 35mm, 91 min, stumm, dt. ZT und elektr. engl. UT, Filmarchiv des Bundesarchivs

Einführung Adelheid Heftberger

Cyankali spielt im berliner arbeitermilieu zur zeit der wirtschaftskrise und beschreibt die liebe, die schwangerschaft und den tod einer jungen arbeiterin, die von grete mosheim ausgezeichnet gespielt wird. die arbeiterin hete ist eine der 10000 frauen, die damals in deutschland jährlich […] an den folgen einer abtreibung starben. […] dieser darstellerisch und filmisch ausgezeichnete film ist zur diskussion in frauengruppen deshalb geeignet, weil hier exemplarisch gezeigt werden kann, dass ein kampf, der von patriarchen stellvertretend für die interessen der frauen geführt wird, für frauen kein gutes ergebnis haben kann und sein ziel verfehlt (Frauen und Film Nr. 2, 1974). Der Film durchlief bis zur Jugendfreigabe 1930 ein Zensurverfahren mit immer neuen Schnittauflagen. 

Am Flügel begleitet von Ruth Bieri          


Pupille – Kino in der Uni

I 1982, R, B Gabriella Rosaleva, K Renato Tafuri, S Anna Napoli, T Hubert Niyhius, Pippo Ghezzi, P Mariella Meucci, Emanuela Piovano für Cinema SAS, D Daniela Morelli, Massimo Sacilotto, Kopie Farbe, 16mm, 79 min, ital. OV mit elektr. dt. und engl. UT, Centro Sperimentale di Cinematografia – Cineteca Nazionale

Zu Gast Gabriella Rosaleva

Einführung Claudia Honegger

Der Film basiert auf Protokollen eines Hexenprozesses, der 1697 gegen Caterina Ross geführt wurde. „Alle Sequenzen des Verhörs, die in den Werkhallen einer verfallenden Industrieanlage am Mailänder Stadtrand gedreht worden sind, wechseln ab mit Zeugenaussagen, die im Gebirge aufgenommen wurden, an den Orten, an denen Caterina Ross gelebt hat und wo die Talbewohner die Texte ihrer Unterwürfigkeit vor der Kamera aufsagen wie 300 Jahre früher ihre Ahnen vor dem Gericht. Gabriella Rosaleva kommt von der Liebe zur Malerei her und ist erst seit kurzem auf der Szene des italienischen Films aufgetaucht, aber sofort in der anspruchsvollsten Form“ (Alberto Farassino, La Repubblica, 1982).

Im Anschluss Gespräch mit der Regisseurin und Cecilia Valenti


Pupille – Kino in der Uni

I 1969, R Liliana Cavani, B Liliana Cavani, Italo Moscati, Fabrizio Onofri, K Giulio Albonico, M Ennio Morricone, P Enzo Doria für San Marco Film, D Pierre Clémenti, Britt Ekland, Tomas Milan, Francesco Leonetti, Delia Boccardo, Kopie Farbe, 35mm, 88 min, ital. OV mit elektr. dt. und engl. UT, Cineteca di Bologna

Einführung Rita Casale und Borjana Gaković

In den Straßen, U-Bahnen und auf den Plätzen liegen unzählige Leichen. Passanten gehen achtlos vorbei oder steigen über sie hinweg, denn es ist verboten, sich um sie zu kümmern. Ein junger Mann wird am Meeresufer angespült. Er spricht eine unbekannte Sprache. In einer Bar trifft er Antigone, eine junge Frau aus der Oberschicht, die unter den Leichen ihren Bruder sucht. Zusammen beginnen sie, die Toten mit dem Auto aus der Stadt zu schaffen und sie zu beerdigen. Liliana Cavanis Antigone-Adaption im Breitwandformat ist – trotz der renommierten Hauptdarstellerin Britt Ekland und trotz des Soundtracks von Ennio Morricone – weit weniger bekannt als der spätere, international viel diskutierte Nachtportier (Sabine Schöbel, Programmheft Aufbruch der Autorinnen II, 2016).


Pupille – Kino in der Uni

DK, N, IND 2012, R Nishtha Jain, B Nishtha Jain, Torstein Grude, K Rakesh Haridas, Torstein Grude, S Arjun Gourisaria, Nishtha Jain, Erik Andersson, M Peter Scartabello, T Peter Schultz, Niraj Gera, Mateen Ahmed P Torstein Grude, Piraya Film A/S, Kopie Farbe, DCP, 96 min, Hindi OV mit elektr. engl. und dt. UT, Norwegian Film Institute

„Frauen, die Armen … – für mich sind alle unterdrückten Menschen Unberührbare“, so sieht es Sampat Pal. Sie gründete 2006 die Gulabi-Gang, um Frauen zu vereinen und um das Bewusstsein der patriarchal geprägten indischen Gesellschaft zu verändern. Gulabi bedeutet Pink, diese Frauen tragen pinke Saris und lange Bambus-Stöcke, und sie brechen radikal mit der Vorstellung von der fügsamen Inderin, die alles Unrecht stumm hinnimmt. 150.000 Frauen haben sich der Gulabi-Gang bereits angeschlossen. Nishtha Jain zeigt in ihrem Film eindrücklich, mit welcher Kraft und Würde sich diese aufsässigen Inderinnen erfolgreich gegen männliche Gewalt und Unterdrückung zur Wehr setzen (Andrea Naica-Loebell, DOK.fest München, 2013).


Pupille – Kino in der Uni

NL 1982, R, B Marleen Gorris, K Frans Bromet, S Hans van Dongen, M Lodewijk de Boer, Martijn Hasebos, T Victor Dekker, Wilfried Depeweg, Jan van Sandwijk, P Matthijs van Heijningen, Sigma Film Productions, D Edda Barends, Nelly Frijda, Henriëtte Tol, Cox Habbema, Eddie Brugman, Hans Croiset, Erik Plooyer, Kopie Farbe, Blu-ray von 35mm, 92 min, niederl. OV mit elektr. engl. und dt. UT, EYE Film Instituut Nederland

Einführung Annette Förster 

Die Stille um Christine M. ist Gorris’ provokanter Debütfilm, der mit seinem Erscheinen sofort zum feministischen Klassiker avancierte. […] Der Film erzählt die Geschichte einer Gruppe von Frauen, die, obwohl sie sich vorher nie getroffen hatten, gemeinsam spontan einen männlichen Ladenbesitzer ermorden. Wir sehen Interviews einer Kriminalpsychiaterin mit den Frauen, in denen deren Schuldfähigkeit festgestellt werden soll, und das anschließende Gerichtsverfahren – mit überraschenden Ergebnissen. Der Film untersucht die patriarchale Unterdrückung aller Frauen und die daraus resultierenden Folgen. Dreißig Jahre nach seinem Erscheinen ist Die Stille um Christine M. noch immer ein relevantes, faszinierendes und originäres Stück Kino (Programmheft London Feminist Film Festival, 2012).


Pupille - Kino in der Uni

EG 1996, R Ateyyat El-Abnoudy, Kopie s/w, DVD von 16mm, 70 min, arab. OV mit engl. UT und elektr. dt. UT, Typecast Films

Einführung Gina Annunziata

Man kann das Werk von Ateyyat El-Abnoudy nicht in eine bestimmte Kategorie einordnen. Sie selbst spricht von poetischem Realismus. Kritiker bezeichnen die Filme, die so prägnant und eindringlich das zeitgenössische Leben in Ägypten dokumentieren, als soziale Kommentare. Was immer ihr spezifisches Genre sein mag: El-Abnoudys Filme werden von der ägyptischen Regierung mit Argwohn betrachtet, von internationalen Filmjurys mit kritischem Beifall bedacht und von den Subjekten ihrer Arbeit mit Liebe gesehen (Katalog Arab Film Festival, 1993). 
Days of Democracy gibt Einblicke in die Geschichte des Kampfes der ägyptischen Frauen um das Wahlrecht und dokumentiert in seinem Hauptteil die Parlamentswahlen von 1995. Die Regisseurin reiste durch sämtliche Städte und Provinzen, um die dortigen Kandidatinnen zu interviewen und sie bei ihrem Wahlkampf zu zeigen.
 


Pupille - Kino in der Uni

Richard Dyer erlangte seinen Master-Abschluss in Französisch an der Universität St Andrews und seinen PhD in Cultural Studies an der Universität Birmingham. Er hält Vorträge und unterrichtet sowohl an britischen als auch an internationalen Universitäten. 1997 organisierte er die erste Reihe lesbischer und schwuler Filme am National Film Theatre London. Zu seinen Büchern zählen u.a. Stars; Heavenly Bodies: Film Stars and Society; Now You See It; White; The Culture of Queers; Pastiche; In the Space of a Song; Lethal Repetition und La dolce vita.


US 2015, R Liz Garbus, K Igor Martinovic, Rachel Morrison, Ronan Killeen, S Joshua L. Pearson, T Tony Volante, P Amy Hobby, Liz Garbus, Justin Wilkes, Jayson Jackson, D Nina Simone, Kopie s/w und Farbe, Blu-ray, 116 min, engl. OV mit dt. UT, Netflix

Eine geniale Musikerin mit klassischer Ausbildung, eine Chanteuse, die die Charts eroberte, und eine Black-Power-Ikone: Nina Simone war eine der einflussreichsten, beliebtesten, provokativsten und am wenigsten verstandenen Künstlerinnen unserer Zeit. Sie war bekannt für ihre grenzenlos freien, mitreißenden Bühnenauftritte, die ihr den Beinamen „Hohepriesterin des Soul“ eintrugen. Doch inmitten der täglichen Gewalt im Kampf um Bürgerrechte rang sie auch um die Vereinbarkeit von künstlerischem Anspruch mit leidenschaftlicher Hingabe an die Bewegung. Mit großem Gespür geht Regisseurin Liz Garbus dem Dauerzustand der Opposition nach, der Simone gefangen hielt und der sie quälte – im Jazz als klassische Pianistin abgestempelt, als professionelle Sängerin konfrontiert mit den Einschränkungen des Familienlebens, als schwarze Frau mit denen des rassistischen Amerika. Dabei offenbart sich eine überragende Gestalt, die sich jeder Zuschreibung und auch ihrer Zeit entzieht (Katalog Sundance Film Festival, 2015).


Orfeos Erben

GB 1917, Kopie s/w, 35mm, 7 min, stumm, BFI National Archive

Ein von Suffragetten in Villers-Cotterêts in Frankreich geführtes Krankenhaus zeigt Krankenschwestern der NUWSS (Nationale Vereinigung von Gesellschaften für das Frauenwahlrecht), die mit großer Kompetenz die Verwundeten der Westfront behandeln. Ohne auf Anweisungen von der Regierung zu warten, die ihnen vorschreiben, wie sie nützlich sein könnten, sammelten diese Frauengruppen Gelder und organisierten die Arbeitsabläufe in den Krankenhäusern. (Bryony Dixon)


R 1914, R Pyotr Chardynin, B Aleksandr Voznesensky, K Boris Zavelev, P A. Khanzhonkov & Co. Ltd, D Vera Yureneva, Ivan Mozzhukhin, Maria Morskaya, Praskovya Maksimova, Kopie s/w, 35mm, 42 min, stumm , holl. ZT mit elektr. dt. und engl. UT, EYE Film Instituut Nederland

Ärztinnen spielen eine besondere Rolle in der Geschichte der Frauenbewegung. Sie waren die ersten Frauen, die zu einem akademischen Studium zugelassen wurden. Der Russin Nadeschda Suslowa gelang 1867 an der Universität Zürich der Durchbruch. Andere folgten – zumal Russinnen, sie können als Wegbereiterinnen des Frauenstudiums gelten. Woman of Tomorrow nimmt diese Geschichte auf, wenn er gerade eine Ärztin als „Frau von morgen“ vorstellt. Das Thema des Films ist aber nun die ausgebildete Ärztin in ihrer Berufstätigkeit und wie sie damit lebt und leben kann. Es ist ihr Problem, mit dem sie der Mann, den sie liebt, allein läßt. Er kann sich anderweitig Ausgleich suchen. Während sie nicht nur engagierte Ärztin ist, sondern auch eine gefragte Rednerin im Kampf für Frauenrechte. Was für Männer in Ehen selbstverständlich möglich ist, daß der Beruf vorgeht und wenig Zeit für die Frau zuhause bleibt, das, zeigt der Film, gilt keinesfalls im umgekehrten Fall. Die Frau scheint am Ende wieder vor die Entscheidung Beruf oder Liebe gestellt. Es wurde ein zweiter Teil von Woman of Tomorrow gedreht, der zeigt, daß die „Frau von morgen“ die Entscheidung für den Beruf nicht zurücknimmt. Es bedarf aber dieser Zuendeführung der Geschichte gar nicht, weil wir bereits gesehen haben, wie sich für die Protagonistin Liebe von der Arbeit gar nicht trennen läßt, oder auch nicht die Arbeit von der Liebe. Ein ergreifender Moment. Und die Lebensfrage, vor der unsere Protagonistin am Ende steht, bleibt sowieso, bis heute (Heide Schlüpmann).

Am Flügel begleitet von Ruth Bieri

Einführung von Barbara Wurm


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GB 2010, R Nigel Cole, B William Ivory, K John de Borman, S Michael Parker, M David Arnold, P Stephen Woolley, Elizabeth Karlsen, Number 9 Films, D Sally Hawkins, Bob Hoskins, Miranda Richardson, Geraldine James, Rosamund Pike, Andrea Riseborough, Daniel Mays, Kopie Farbe, DCP von 35mm, 108 min, engl. OV und elektr. dt. UT, TOBIS Film

Einführung von Kirsten Huckenbeck

Made in Dagenham: Die filmische Inszenierung des Näherinnen-Streiks im Ford-Werk von Dagenham, England, die zur Verabschiedung des British Equal Pay Act (Gesetz zu gleichem Lohn für gleiche Arbeit) und letztendlich weltweit zu ähnlichen Gesetzen führte. Sally Hawkins spielt Rita O’Grady, eine willensstarke Näherin und Frau der leisen Töne, die den Streik der Arbeiterinnen, trotz des Widerstands ihrer Ehemänner, der Gewerkschaft und der politischen Vertreter*innen, anführte. Ein durch und durch feministischer Film, der wie eine Mischung aus Milk und Mad Men wirkt – und die Rolle der Frau in den 1960er Jahren ungeschönt darstellt: Überstunden machen, Abendessen kochen, für Bürgerrechte kämpfen, die Kinder zur Schule bringen, während die Ehemänner auf der Couch schlafen. Ein Film, der Sexismus unverhohlen verurteilt und trotz seines meist leichten Tonfalls die wahren Kosten des Kampfes um Bürgerrechte aufzeigt (Tom Henheffer, Maclean’s, 2010).


Pupille – Kino in der Uni

US 2018, R, B, K, S Irene Lusztig, T Maile Colbert, P Komsomol Films, Kopie Farbe, DCP, 101 min, engl. OV mit dt. UT, Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.

Einführung Sophie Charlotte Rieger

Auf den ersten Blick sind es unscheinbare Orte, an denen Irene Lusztig auf ihrer zweijährigen Reise durch die USA mehrheitlich Frauen bittet, Leserbriefe vorzulesen und zu kommentieren, die aus dem Archiv der liberal-feministischen Zeitschrift „Ms.“ stammen. Geschrieben vor ungefähr 40 Jahren, zumeist von Frauen, die in der Zeitschrift erschienene Artikel zum Anlass nahmen, von sich zu erzählen – offenherzig, privat, oft erleichtert, manchmal erbost. In den Briefen geht es um Schwangerschaftsabbrüche, um lesbische Liebesaffären von verheirateten Frauen, um die Ignoranz des Magazins gegenüber Lebenswirklichkeiten schwarzer Frauen … Irene Lusztig gelingt es in ihrer dokumentarischen Inszenierung, einen Fundus der Frauenbewegung von damals in eine vielschichtige Beziehung mit der Gegenwart zu bringen (Anke Leweke, Katalog Internationales Forum der Berlinale, 2018).


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