Die Wiederaufnahme der Arbeit im Film

Begrüßung zu den Frankfurter Frauen Film Tagen 2021

Ein Programm, das sich über die 125-jährige Geschichte des Kinos erstreckt: Sie beginnt 1885 mit dem ersten Film. Auguste und Louis Lumière haben gerade den Cinématographe erfunden. Ihre ersten Aufnahmen zeigen Arbeiter*innen beim Verlassen der Lumière-Fabrik, in der Fotoplatten hergestellt wurden. Es sind viele Frauen darunter. Die industrielle Revolution war auch weiblich.

Einige Jahre später entstanden zwei Filme, die zur legendären Mitchell & Kenyon-Sammlung gehören: Spinnerei-Arbeiter*innen und Weber*innen – auch viele Kinder – kommen aus einer Fabrik im industrialisierten England. Auf einem Fischmarkt wird gefeilscht und gedrängelt. Stummfilme als Zeugnisse des Übergangs zur modernen Gesellschaft.

Ein klassisches Streik(-Ende)-Szenario zeigt Die Wiederaufnahme der Arbeit in der Fabrik Wonder: Im Juni 1968 wurde in den Wonder-Fabriken in Saint-Ouen, Frankreich über die Rückkehr zur Arbeit abgestimmt. Aber eine junge Arbeiterin protestiert wütend über den Kompromiss – die Spontanität der Arbeiter*innenrevolte. Zwei Gewerkschafter versuchen sie zu überzeugen. Am Werkstor fordert ein autoritärer „Boss“ Gehorsamkeit.

Anfang der 1980er-Jahre – zu einer Zeit radikaler politischer Umbrüche in Indien – schuf das Yungatar-Filmkollektiv empanzipatorische Filme, darunter den kurzen, improvisierten Spielfilm Is this just a Story? Erzählt wird die Wortfindung einer jungen Frau, die sich aus häuslicher Gewalt, den Belastungen als Hausfrau und Mutter, Vereinsamung und Depression herauskämpft.

Martha Rosler in ihrem Performance-Video Semiotics of the Kitchen wiederum „ersetzt die domestizierte ‚Bedeutung‘ von Werkzeugen durch ein Lexikon der Wut und Frustration.“ Und durch subversiven Humor.

Mit ihrer experimentellen Filmarbeit drangen die Künstlerinnen Carolee Schneemann, Barbara Hammer und Gunvor Nelson einst in eine Männerdomäne ein. Lynne Sachs sucht sie mit ihrer Super 8- und 16mm-Kamera auf und lässt die drei Frauen zurückblicken und ihre gegenwärtige künstlerische Arbeit beschreiben.

Das Programm schließt mit einem „radikalisierten Dienstmädchen.“ Die Herrschaften sind verreist und Cunégonde bekommt Besuch von der eigenen Familie. Das tut dem bürgerlichen Haushalt so gar nicht gut!

Die Stummfilme werden am Flügel begleitet von Uwe Oberg

Sortie d’Usine

FR 1895 | Regie: Louis Lumière | s/w | DCP von 35mm, restaurierte Fassung | 1 min | stumm | Institut Lumière

Employees leaving Gilroy’s Jute Works, Dundee

GB 1901 | Regie, Produktion: Mitchell & Kenyon | s/w | DCP von 35mm | 3 min | stumm | British Film Institute

North Sea Fisheries, North Shields

GB 1901 | Regie, Produktion: Mitchell & Kenyon | s/w | DCP von 35mm | 2 min | stumm | British Film Institute

La Reprise du Travail aux Usines Wonder / Die Wiederaufnahme der Arbeit in der Fabrik Wonder

FR 1968 | Regie: Etats Généraux du Cinéma | Kamera: Pierre Bonneau | Ton: Liane Estiez | s/w | 16mm | 10 min | franz. OV mit dt. UT | Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.

Idhi Katha Matramena / Is this just a Story?

IND 1983 | Regie: Yugantar Film Collective | Kamera: Navroze Contractor | Schnitt: Lawrence | Ton: Deepa Dhanraj | Darsteller*innen: Lalita K., Poornachandra Rao, Rama Melkote | s/w | DCP | 26 min | telugu OV mit engl. UT | Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.

Semiotics of the Kitchen

USA 1975 | Regie: Martha Rosler | DCP | s/w | 6 min | amer. OV | Electronic Arts Intermix

Carolee, Barbara and Gunvor

USA 2018 | Regie, Kamera, Ton, Produktion: Lynne Sachs | Farbe | DCP | 9 min | OV mit engl. UT | Kino Rebelde

Cunégonde reçoit sa famille

FR 1912 | Darstellerin: Little Chrysia | s/w | 6 min | DCP | stumm | niederl. ZT + engl. UT | EYE Film Institute Amsterdam


DI, 23.11.21

19.30

Pupille – Kino in der Uni

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