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HUN 1978 | Regie, Buch: Judit Ember | Kamera: János Illés, Béla Ferenczy | Schnitt: Annamária Komlóssy | Musik: Zsolt Döme | Ton: István Sipos | Produktion: István Fogarasi | Redaktion: Miklós Vásárhelyi | Regieassistenz: Lilla Mátis | s/w | DCP von 35mm | 92 min | ungar. OV mit engl. UT | Filmarchiv des Ungarischen Filminstituts

Als sie mit den Dreharbeiten von Misteln begann, hatte Judit Ember schon über zehn Filme hinter sich, u.a. ihren mit Gyula Gazdag gemeinsam entwickelten situativen Dokumentarfilm Der Beschluss (1972), den das American Film Institute auf die Liste der 100 besten Dokumentarfilme aller Zeiten setzte, der aber gleichzeitig in Ungarn bis in die achtziger Jahre hinein verboten war. Überhaupt hat Judit Ember den ironischen Meistertitel inne, die meisten im sozialistischen Ungarn verbotenen Filme produziert zu haben. Sie galt als „die Unverbesserliche“, obwohl sie keine kämpferischen Filme drehte: Ihre Protagonist*innen erzählten oder zeigten einfach, was ihnen widerfahren ist oder täglich widerfährt, ohne Empörung und ohne Vorwürfe zu erheben.

Auch der Film Lehrgeschichte (1976) wurde seinerzeit wegen seines empfindlichen Themas verboten. Es geht um ein Mädchen, das versucht, sich das Leben zu nehmen. Das gleiche Mädchen sehen wir einige Jahre später in Misteln, Embers einzigem Dokumentarspielfilm wieder, als junge Mutter zweier – bald dreier – Kinder. Ember zeigt mit selbstverständlicher Sympathie und sanftem Humor den Facettenreichtum des Lebens der Familie, die jeden Tag durcharbeitet, um einen winzigen Schritt voranzukommen. Die Regisseurin porträtiert drei Generationen von aufeinander angewiesenen Frauen und kommt der Familie so nah, dass – zum ersten Mal in der Geschichte des Dokumentarfilms – die Kamera im OP-Saal dabei sein darf, um die Entbindung durch Kaiserschnitt aufzuzeichnen. (Virág Bottlik, Collegium Hungaricum Berlin)

Einführung Borjana Gaković


GB 1963 | Regie: Joan Littlewood | Kamera: Walter Lassally | s/w | DCP von 16mm | stumm | 3 min | British Film Institute / The Estate of Joan Littlewood

Männer und Frauen – überwiegend Männer – beim Kartenspielen und Rauchen. Ernste Blicke der Spielenden, neugierige der dicht an dicht gedrängten Zuschauenden; Geld wird von Arbeiterhänden fest gehalten... Die Kamera fängt Joan Littlewood beim Small Talk ein, worauf diese sich hinter einer Glasvitrine versteckt. Am Schluss tanzen Männer und Frauen – überwiegend Frauen – Twist.

„London spielt, im Sixties-Style. Diese vielfältigen, faszinierenden Szenen wurden 1963 aufgenommen und waren Teil einer Studie von Theaterregisseurin und Filmemacherin Joan Littlewood über Freizeit in London. Sie ermöglichen einen Einblick in den Alltag gewöhnlicher Menschen im Londoner Zentrum. [...] Das Material wurde für einen Film gedreht, der dafür gedacht war, Littlewoods Projekt eines ‚Spaßschlosses‘ (‚Fun Palace‘) – ein riesiges, bewegliches Gebilde, in dem Bildungs- und Unterhaltungsangebote untergebracht sein sollten – zu unterstützen. 1963 nahm Littlewood in London 60 Rollen mit 16mm-Filmmaterial auf, um zu zeigen, was die Menschen in ihrer Freizeit taten und zu unterstreichen, dass etwas anderes vonnöten war. Der Film wurde fertiggestellt, ist heute aber verschollen und Joans Spaßschloss wurde traurigerweise nie gebaut.“ (British Film Institute)

Weitere Pleasure Rolls werden an den Festivaltagen gezeigt


DI, 23.11.21

21.30

Pupille – Kino in der Uni

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