PL 1988 | Regie, Buch: Irena Kamieńska | Kamera: Krzysztof Pakulski | Schnitt: Jadwiga Zajiček | Produktion: Zbigniew Domagalski | s/w | 35mm | 15 min | pol. OV mit engl. UT + dt. UT | Archiv der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen / Wytwórnia Filmów Dokumentalnych i Fabularnych

Nur ein Jahr vor den ersten freien Wahlen von 1989 nimmt Kamieńska erneut die emanzipierte Frau in den Blick und produziert dieses bewegende Porträt von Frauen, die im Kommunismus männliche Tätigkeiten aufnahmen. Der Film erzählt gleichermaßen von weiblicher Stärke und Ausdauer wie auch von der Ausbeutung der Frauen auf dem Arbeitsmarkt. (Anna Misiak, womenundercommunism.com).

Der vielprämierte Hardcore-Realismus der 2016 verstorbenen Kamieńska – ein Abgesang auf die von allen Befreiungsidealen meilenweit entfernte Realität der sozialistischen Heldin namens „werktätige Frau“: freudlos sei diese, so die Regisseurin, einsam und perspektivlos. (Barbara Wurm, goEast Filmfestival, Wiesbaden)


DDR 1989 | Regie: Helke Misselwitz | Buch: Helke Misselwitz, Thomas Plenert | Kamera: Thomas Plenert | Schnitt: Gudrun Plenert | Musik: Brigitte Unterdörfer | Ton: Ronald Gohlke | Dramaturgie: Bernd Burkhardt | Produktionsleitung: Herbert Kruschke | s/w | 35mm | 16 min | dt. OV | DEFA Stiftung

Eine private Kohlenhandlung im Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg im Winter 1988/89. Die resolute Chefin führt mit Witz und Verstand das Regime und genießt den Respekt ihrer sieben männlichen Angestellten. Nach außen hin allesamt harte Kerle, offenbaren sie in den Schilderungen ihrer beruflichen und privaten Situation, abseits der schweren körperlichen Arbeit, auch die eigene Verletzlichkeit. Der Sozialstudie von Helke Misselwitz gelingt es durch behutsames Fragen, dass die Protagonisten sich bereitwillig „ins Herz blicken“ lassen: „Können so harte Hände zärtlich sein?“ Damit wirkt der Film zuweilen wie die Utopie einer solidarischen Gemeinschaft am sozialen Rand des sozialistischen Arbeiterstaats. Der Blick auf ihn „von unten“ rührt wiederholt an Tabus: Mauerbau und Republikflucht, Kindesmissbrauch und Suizid sind ebenso Gesprächsthemen wie Haftstrafen und Alkoholismus. Auf unbedingte Authentizität bedacht und darum in „antiquiertem“ Schwarzweiß gedreht, dokumentierte der Film ein bald darauf anachronistisches Gewerbe – und wurde darüber zur Bestandsaufnahme gesellschaftlicher Widersprüche, wenige Monate vor der politischen Wende in der DDR. (Jörg Schöning, 69. Internationale Filmfestspiele Berlin)

Im Anschluss Gespräch mit Helke Misselwitz


DO, 25.11.21

16.00

Pupille – Kino in der Uni

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