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FR 2020 | Regie, Buch: Aude Pépin | Kamera: Sarah Blum, Emmanuel Gras | Schnitt: Carole Le Page | Ton: Claire-Anne Largeron | Musik: Benjamin Dupont | Produktion: Jean-Baptiste Germain, Bootstrap Label, Mathieu Robinet, Tandem | Farbe | DCP | 71 min | franz. OV mit engl. UT | Totem Films

Chantal Birman ist nicht nur feministische Aktivistin der ersten Stunde. Bis heute ist sie als engagierte Care-Workerin im Einsatz. Obwohl fast 70, besucht die Hebamme tagein, tagaus Mütter mit den unterschiedlichsten sozialen Hintergründen, und begegnet äußerst empathisch ihren – ebenso verschiedenen – Postschwangerschaftsbedürfnissen und -emotionen. Wenn ihr Taubenkot unter die Räder ihres schweren, silbernen Koffers kommt, den sie über Höfe zieht und steile Treppen hochwuchtet, platzt ihr schon mal der Kragen. Dann nimmt sie sich die Zeit, bei der betreffenden Hausverwaltung sofort eine Beschwerde über inakzeptable Hygienebedingungen einzulegen.

Sie selbst hatte einst eine schmerzliche Erfahrung machen müssen als sie ungewollt schwanger war: Sie bat einen jungen Arzt während ihrer Arbeitszeit um eine Abtreibung. Die Blutlache musste sie nach dem Eingriff selbst wegputzen, um im Anschluss einer anderen Frau bei der Geburt zu helfen. Das Recht auf Abtreibung würde sie mit ihrem Leben verteidigen, sagt sie heute. Mit Ratschlägen spart sie nicht gegenüber einer Hebammenschülerin, die sie in ihrem Arbeitsalltag begleitet. Zwischen den Frauen tut sich ein Generationskonflikt auf, aber Chantal beharrt nicht stur auf ihrem Standpunkt. Auch sie lernt durch den Austausch – heute noch, betont sie.

Der beobachtende Dokumentarfilm von Aude Pépin ist nicht bloß das Porträt einer beeindruckenden Kämpferin – er bietet auch scharfe Analysen eines Aspekts menschlichen Lebens, der in unserer Gegenwart der modernen Medizin mit ihrer Tendenz zur Regulierung und Rationalisierung überantwortet ist: die Geburt. Birmans Sorge-Arbeit gilt den Frauen, die mit Angstzuständen, körperlichen Schmerzen, psychischen Anstrengungen und ihren jeweiligen privaten Verhältnissen konfrontiert sind, aber in ihrer Vereinzelung auf sie zählen können.

Im Anschluss Gespräch mit der Regisseurin und der Medizinhistorikerin Barbara Duden


MI, 24.11.21

13.30

Pupille – Kino in der Uni

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