Über das Festival

Remake. Frankfurter Frauen Film Tage
Eine Veranstaltung der Kinothek Asta Nielsen e.V.

Im November 2018 veranstaltete die Kinothek Asta Nielsen in Frankfurt am Main erstmals das Festival Remake. Frankfurter Frauen Film Tage. Mit der Ausgabe 2019 wird das Festival künftig biennal stattfinden.

Die Kinothek setzt sich seit nahezu zwanzig Jahren mit Filmpräsentationen, thematischen Programmen, Werkschauen, Retrospektiven für die Filmarbeit von Frauen ein und fördert die Auseinandersetzung mit den Geschlechterverhältnissen im Film. Mit dem Festival Remake fügt sich ein neues Veranstaltungsformat in die bisherige Arbeit: ein Programm, das von einem Themenschwerpunkt ausgeht und sich in einer Mischung aus Festival und Symposion entfaltet. "Remake" verweist auf den Bezug zur Geschichte, wie er für die gesamte Arbeit der Kinothek prägend ist: Filme aus mehr als hundert Jahren entstehen neu in der Wahrnehmung von Zuschauerinnen und Zuschauern, wenn sie heute gezeigt werden. Denn Filme existieren nur in der Aufführung, und das Zeigen selbst ist eine Form des Filmemachens, ein Re-Make. 

Geschichte bildet ein wesentliches Moment des Festivals. Alte Filme sind ja nicht einfach alt, sondern durch sie wird Vergangenheit als Bestandteil der Gegenwart erfahrbar – sofern die Filme denn in einem Kontext gezeigt werden, in dem sich ihre spezifische Aussagekraft entfalten kann. Nicht zuletzt um solcher Zusammenhänge willen laufen alte mit jüngst entstandenen Filmen zusammen, werden Projektionen von Einführungen, Kommentaren, Gesprächen und Diskussionen begleitet. Die Orte der Aufführung und deren Gestaltung erfahren dabei besondere Aufmerksamkeit, und alle Filme laufen (soweit möglich) im Originalformat – sei es 35mm, 16mm, Super 8 mit analogem Ton oder eben ein digitales Format. Bei der Aufführung von Stummfilmen liegt uns die Musikbegleitung besonders am Herzen. 

Der formalen Struktur von Remake  – unterschiedliche Epochen und Genres verflechten sich im Programm – entspricht die inhaltliche: Themen wie Frauen und Geschlechterverhältnisse im Film oder Aspekte des queer cinema treten in ihrer Verflochtenheit mit anderen gesellschaftlichen Phänomenen zutage; so auch mit der Emanzipation der Frauen im Kontext von Migration, Kolonialismus, Rassismus. Ausgehend von inhaltlichen Verbindungen entwickelt sich jede Ausgabe der Frankfurter Frauen Film Tage in einer Vielzahl von Programmen, die jeweils in einem Zusammenhang untereinander stehen, eine Gesamtgestalt, eine Art „Archipel“ bilden.

Remake wird immer auch einen Programmteil enthalten, der einer Filmmacherin gewidmet ist, deren Arbeiten von Vergessen und Verschwinden bedroht sind.

Nicht nur der Filmgeschichte, sondern auch der Geschichte feministischer Filmfestivals werden wir mit dem Programm Tribut zollen. 1972 fanden in New York und Edinburgh die ersten feministischen Festivals statt – sie waren zum großen Teil der (Wieder-)Entdeckung von Filmmacherinnen gewidmet. Viele ihrer Werke, die Anfang der 70er Jahre wieder das Licht des Projektors erblickten, sind heute erneut verschwunden, Kopien nicht oder nur schwer auffindbar. Mit Wiederaufführungen einstiger Programme, in Gesprächen mit den damaligen Veranstalterinnen werden wir an diese Geschichte erinnern, aus der auch unsere Arbeit hervorgegangen ist. Jede Ausgabe von Remake. Frankfurter Frauen Film Tage wird einem der früheren Festivals gewidmet sein.

Remake. Frankfurter Frauen Film Tage 2019

Geschichtsanschauung. HerStory im Kino ist das Schwerpunktthema von Remake 2. Wir haben nach Geschichten in der Filmgeschichte gesucht, mit denen beispielsweise Frauen aus den arabischen Ländern Zeugnis ablegen von Befreiungskämpfen, nach Filmen von Frauen, die von ihren Sklav*innenvorfahren erzählen, die uns die Geschichte und Gegenwart ihrer Verfolgung und Ausgrenzung vor Augen führen. Remake zeigt Filme, die mit herrschenden Bild- und Erzählkonventionen brechen. Das Programm umfasst Filme von Regisseurinnen, die die westliche Erfolgsgeschichte in Frage stellen und Filme, die fragen, wie mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts – mit Weltkriegen und Genoziden – weiterzuleben sei. Im Zentrum stehen Film und Kino als Formen und Orte der Geschichtsschreibung selber – einer Geschichtsschreibung aus der Perspektive von Frauen. In diesem Horizont entfaltet das Festivalprogramm auch einen eigenen Blick auf die Geschichte des queer cinema: Der Festivalfreitag steht unter dem Motto queer cinema – „mon ciné“. Es geht uns um Geschichte(n), die der Film – anders als Wort und Schrift – den Frauen zu erzählen, zu zeigen ermöglichte und ermöglicht. Das Unbestimmte, das Nicht-Greifbare, das, was sich nicht auf einen Begriff bringen lässt, wird insbesondere im Stummfilm überliefert. Mehrere Stummfilme mit Live-Musikbegleitung gehören zum Programm. Der Höhepunkt ist ein CineConcert im Schauspiel Frankfurt: Die international bekannte Komponistin und Pianistin Maud Nelissen hat eine Musik für kleines Ensemble zu einem der spektakulärsten britischen Filme der 1920er Jahre geschrieben: Hindle Wakes, der die Emanzipationsgeschichte einer jungen Fabrikarbeiterin erzählt. Hindle Wakes gibt Einblick in die englische Textilindustrie von Lancashire – cotton connection zu den Baumwollplantagen der US- amerikanischen Südstaaten – und dem Selbstbewusstsein einer Arbeiterin. Neben dem Schwerpunkt Geschichtsanschauung enthält Remake zwei weitere Programme. Das eine führt die mit Remake 2018 begonnene „Geschichtsschreibung“ zu feministischen Filmfestivals fort: Ende der 1980er-Jahre gründeten Filmemacherinnen aus Osteuropa einen internationalen Verband, der Austausch und Kooperation von Frauen im Film förderte und Kongresse mit Filmschauen veranstaltete: KIWI – Kino Women International. Filmvorführungen und Gespräche vergegenwärtigen die Geschichte von KIWI. Das andere Programm bringt die Filme der Filmemacherin, Malerin und Fotografin Ella Bergmann-Michel (1895–1971) zur Aufführung und stellt die vielfältigen film- und kinokulturellen Aktivitäten und sozialreformerischen Bezüge dieser Pionierin der klassischen Moderne vor, die derzeit auch international eine Wieder-Entdeckung erfährt.

Remake. Frankfurter Frauen Film Tage 2018

Der Auftakt zum Festival Remake stand im Zusammenhang mit der Ausstellung und Veranstaltungsreihe „Damenwahl! – 100 Jahre Frauenwahlrecht“ des Historischen Museums Frankfurt vom August 2018 bis Januar 2019. Unser Programm fand im November 2018 statt und konzentrierte sich auf den thematischen Schwerpunkt „100 Jahre Frauenwahlrecht – 50 Jahre Feministische Filmarbeit“. Geplant wurden Filme, einführende Vorträge, Gespräche und Rahmenveranstaltungen. Das Festival bestand aus mehreren Teilen: Filme zur Suffragettenbewegung, Rechtsthemen insgesamt im Film der 1910er, 20er und 30er Jahre wie das Sexualstrafrecht, Eherecht, § 218. Darüber hinaus Filme, welche die konfliktreiche Transformation der Frauenrolle, die Veränderung der Lebensbedingungen in Arbeit und Liebe zeigen. All diese Themen durchziehen bis heute die feministische Filmarbeit, vielleicht je anders gewichtet, je anders wahrgenommen. Unser Programm sollte Bögen schlagen durch das 20. Jahrhundert bis in die Gegenwart; zugleich sollte es ins Bewusstsein rufen, dass es Emanzipationsbewegungen der Frauen nicht nur in den westlichen Ländern gab, sondern auch in anderen Teilen der Welt.

Der Frankfurter Filmmacherin Recha Jungmann war die Personale gewidmet. Wir zeigten ihre drei Langfilme und einige ihrer Kurzfilme, die alle zwischen 1967 und 1981 entstanden sind. Recha Jungmann war bei den Aufführungen zu Gesprächen anwesend.

Die 2018er Ausgabe des Festivals eröffnete den Rückblick mit dem Women´s Event des Filmfestivals Edinburg 1972. Gäste waren Laura Mulvey und Lynda Myles – die damals zusammen mit der früh verstorbenen Claire Johnston den Event ins Leben gerufen haben.