Programm: Fixsterne des queer cinema

Die Geschichte des queer cinema und die Geschichte von lesbischen Frauen im Kino bildet einen Schwerpunkt im Programm. Es laufen eine Reihe von Filmen, darunter so selten zu sehende Spielfilme wie Olivia (Jacqueline Audry, 1950), Ich, die Unwürdigste von allen (María Luisa Bemberg, 1990), The Ballad of Little Jo (Maggie Greenwald, 1993), Rote Ohren fetzen durch Asche (Ursula Pürrer, Dietmar Schipek, Ashley Hans Scheirl, 1991).

Gäste: Su Friedrich, Monika Treut u.a.

Mit dem Tagesprogramm queer cinema – „mon ciné“ führen Festivalleiterin Karola Gramann und B. Ruby Rich durch den Festivalfreitag.

 


Dykes, Camera, Action!

US 2018, R, S Caroline Berler, K Melanie McLean Brooks, M Gil Talmi, T Gisela Fulla-Silvestre, P Caroline Berler, Rebecca Benson, Kopie Farbe, DCP, 58 min, engl. OV, The Film Collaborative

Lesben hatten lange keine Chance, sich auf der Leinwand zu sehen. Aber zwischen Stonewall, der Frauenbewegung und dem experimentellen Kino der 1970er sorgten sie für Sichtbarkeit und änderten die gesellschaftliche Vorstellung von Queerness. Die Filmemacherinnen Barbara Hammer, Su Friedrich, Rose Troche, Cheryl Dunye, Yoruba Richen, Desiree Akhavan, Vicky Du, die Filmkritikerin B. Ruby Rich und die Kuratorin Jenni Olson sprechen in Interviews von bewegenden, oft aber auch urkomischen Erlebnissen und ihrem persönlichen Zugang, queere Identität durch Film zu formulieren. 

Im Anschluss Gespräch mit Su Friedrich

In Kooperation mit Filmkollektiv Frankfurt – Projektionsraum für unterrepräsentierte Filmkultur e.V.


MI 23.10.19

20.00

Mal Seh'n Kino


Orlando

© Adventure Pictures

GB, RU, IT, FR, NL 1992, R, B Sally Potter nach dem gleichnamigen Roman von Virginia Woolf, K Aleksei Rodionov, S Hervé Schneid, M David Motion, Sally Potter, T Kant Pan, P Christopher Sheppard, Adventure Pictures, D Tilda Swinton, Billy Zane, Lothaire Bluteau, John Wood, Charlotte Valandrey, Heathcote Williams, Quentin Crisp, Toby Jones, Kopie Farbe, DCP von 35mm, 94 min, engl. OV, Adventure Pictures

Tilda Swinton erlebt als schöner Junker Orlando zunächst die Dekadenz des Elisabethanischen Hofes im 16. Jahrhundert. Er wird Günstling der Königin und versucht, sein Leben auf Liebe, Poesie, Politik und Melancholie aufzubauen, und häutet sich nach jeder scheiternden Erfahrung in einem stets siebentägigen Schlaf über 400 Jahre hinweg immer wieder zu einem neuen Menschen. Nach einer dieser märchenhaften Verwandlungen wird Orlando zur Frau. Neugierig mustert sich Tilda Swinton nackt im Spiegel: „Dieselbe Person, nur ein anderes Geschlecht“, stellt sie keck fest und macht sich auf, die Wonnen und das Weh der anderen Seite der Geschlechterdualität zu entdecken – die weibliche Lust und die Enge der Rolle –, bis sie ein Mädchen gebiert und als neuer Mensch die Welterfahrung als Mann und als Frau in Einklang bringt zu einem trotzigen „Ich“. Sally Potter macht aus Virginia Woolfs feministischem Roman-Essay einen elegant-choreografierten Kinofilm voller Witz, Poesie und unaufdringlich angedeuteter tieferer Bedeutung. (Günther Bastian, filmdienst.de, 1993)


FR 29.11.19

11.00

Pupille – Kino in der Uni


Olivia

© films du jeudi

FR 1950, R Jacqueline Audry, B Colette Audry nach dem Roman Olivia von Dorothy Bussy, K Christian Matras, S Marguerite Beaugé, M Pierre Sancan, T Jo de Bretagne, P Jacqueline Audry, Jean Paris, Memnon Films, D Edwige Feuillère, Simone Simon, Marie-Claire Olivia, Yvonne deBray, Suzanne Dehelly, Kopie s/w, DCP von 35mm, 95 min, franz. OV +engl. UT, Les Films du Jeudi

Ein Mädcheninternat in Frankreich: Die Rektorinnen Julie und Cara, augenscheinlich ein Liebespaar, stehen im freundschaftlichen Wettstreit um die Gunst ihrer Schülerinnen. Als die junge Engländerin Olivia ins Internat geschickt wird und sich in Julie verliebt, spitzt sich das kokette Spiel zu.

„Wenn Lesbierinnen – gezwungenermaßen, aber auch aus freier Wahl – die unabhängigsten Frauen sind, dann ist Olivia der Film, in dem sich Audry am klarsten mit Frauen und ihrer Suche nach Selbstverwirklichung auseinandersetzt. Sie beobachtet lieber, als dass sie verzeiht oder kritisiert – und doch fühlt sie offen mit angesichts der Probleme ihrer Figuren. Die Frauen in diesem Film sind für sie ganz einfach ein Teil der Gesellschaft – wenn auch einer, der gewöhnlich ignoriert wird –, der seine eigenen Probleme und Freuden hat.“ (Elaine Burrows, Festivalpublikation Geschichtsanschauungen. Views of History, 2019)


FR 29.11.19

14.00

Pupille – Kino in der Uni


Yo, la peor de todas / Ich, die Unwürdigste von allen

AR 1990, R María Luisa Bemberg, B María Luisa Bemberg, Antonio Larreta nach dem Roman Sor Juana Inés de la Cruz o las trampas de la fe von Octavio Paz, K Félix Monti, S Juan Carlos Macías, M Luis María Serra, T Jorge Stavropulos, P José Luis Garci, Lita Stantic, GEA Cinematográfica, D Assumpta Serna, Dominique Sanda, Héctor Alterio, Lautaro Murúa, Graciela Araujo, Alberto Segado, Gerardo Romano, Franklin Caicedo, Kopie Farbe, 35mm, 105 min, span. OV +engl. UT, Cinemateca Argentina

Die Geschichte einer mexikanischen Nonne, Wissenschaftlerin und Dichterin zur Zeit der spanischen Inquisition. Der Film ist der fünfte der 65-jährigen Filmemacherin María Luisa Bemberg, die mit 60 Jahren ihren ersten Film gedreht hat. Yo, la peor de todas heißt der Film. Die Nonne steht unter dem Schutz des Vizekönigs von Mexiko, und das, obwohl der Gegenstand ihrer Liebesgedichte dessen Frau ist. Der Film vermeidet alle Klischees, enttäuscht die Erwartungen und Befürchtungen des Publikums. Die Nonne erweist sich stärker als der Erzbischof, ihr Gegner; die Drohungen und Beschwörungen der katholischen Kirche sind schwächer als der Wissensdrang der Nonne. Sie bezwingt den Mann der Kirche, wird selbst bezwungen durch die Zeit, die Dauer ihres Widerstands und zuletzt die Pest. (Lore Stefanek, prisma, Nr. 2/1990)


FR 29.11.19

16.00

Pupille – Kino in der Uni


The Ballad of Little Jo / Little Jo – Eine Frau unter Wölfen

US 1993, R, B Maggie Greenwald, K Declan Quinn, S Keith Reamer, M David Mansfield, T Felipe Borrero, P Fred Berner, Brenda Goodman, Joco Productions, D Suzy Amis, Bo Hopkins, Ian McKellen, David Chung, Heather Graham, René Auberjonois, Carrie Snodgress, Anthony Heald, Melissa Leo, Kopie Farbe, 35mm, 120 min, engl. OV

Suzy Amis spielt Little Jo, eine Figur, die auf einer realen Frau (Josephine Monaghan) basiert, die im neunzehnten Jahrhundert als Mann lebte und als Cowboy und Schafhirte arbeitete. Das Drehbuch von The Ballad of Little Jo, geschrieben von Maggie Greenwald, soll Jahre der sexistischen Darstellungen (oder Nichtberücksichtigung) von Frauen im amerikanischen Westen ausgleichen. Little Jo wird von ihrer Familie verlassen, nachdem sie außerehelich schwanger geworden ist. Sie überlebt einen Vergewaltigungsversuch und entscheidet, dass der einzige Weg, frei zu leben, darin besteht, eine Existenz als Mann zu führen. Greenwald dekonstruiert die männliche Geschlechtsidentität durch Little Jos Crossdressing. [...] The Ballad of Little Jo wirft einen düsteren, fast noiresken Blick auf den Westen, beweist aber durchaus Sinn für Humor. Als Jos Identität schlussendlich [...] enthüllt wird, sind es die Frauen, die zuletzt lachen. (Gwendolyn Audrey Foster, Women Film Directors: An International Bio-critical Dictionary, 1995)

Wir widmen diesen Film unserer langjährigen Freundin und Kinotheksgefährtin Brigitte Axster (3.6.1939 – 23.8.2019)


FR 29.11.19

19.30

Pupille – Kino in der Uni


Rote Ohren fetzen durch Asche

© Dietmar Schipek

AT 1991, R Ursula Pürrer, Dietmar Schipek, Ashley Hans Scheirl, D Susanna Heilmayr, Ursula Pürrer, Ashley Hans Scheirl, Margarete Neumann, Gabriele Szekatsch, P Loop TV-Video Film Produktion, Kopie Farbe, DCP von Super-8, 84 min, dt. OV +engl. UT, sixpackfilm

Angela [Ashley, Anm. d. Red.] Hans Scheirl, Ursula Pürrer und Dietmar Schipek heißen die ausführenden Kräfte dieses Films, Super-8- und Video-Piraten seit Jahren, rituelle Dekonstrukteure filmischer Formen. Rote Ohren fetzen durch Asche, an dem sie zwei Jahre lang gearbeitet haben, bedient sich eines rauen Handlungsgerüsts, über das man alptraumartiges Design, bemalte Kulissen und surreale Objekte gebastelt hat: Eine Pyromanin namens Volley streift durch die Nacht, lüstern Objekte und Wohnungen in Brand setzend. Spy, Comics-Zeichnerin und Opfer Volleys, wird im Zuge ihres Vergeltungsschlages zur gewalttätigen Einzelgängerin. Und die sinistre Nun, Volleys Geliebte und Reptilien-Gourmet, schreitet in rotem Leder auf den Betrug an ihrer feuerfreundlichen Gefährtin zu, indem sie zur Komplizin Spys wird. [...] Schöne Stationen auf dem Weg dieses Films: Apokalyptische Lasterhaftigkeit, synthetisch pulsierende Noise-Tonspuren, unbedingter Körpereinsatz der Darsteller und Stop-Motion-Trickfilmerei. (Stefan Grissemann, Die Presse vom 20.03.1992)

Im Anschluss Gespräch mit den Regisseur*innen Ashley Hans Scheirl, Ursula Pürrer, Moderation: Katja Wiederspahn


FR 29.11.19

22.00

Pupille – Kino in der Uni


GB, US 2015, R Todd Haynes, B Phyllis Nagy nach dem Roman The Price of Salt von Patricia Highsmith, K Edward Lachman, S Affonso Gonçalves, M Carter Burwell, T Geoff Maxwell, P Elizabeth Karlsen, Christine Vachon, Stephen Woolley, Number 9 Film, Film4 Productions, D Cate Blanchett, Rooney Mara, Sarah Paulson, Jake Lacy, Kyle Chandler, John Magaro, Kopie Farbe, DCP von Super-16mm, 118 min, engl. OV mit dt. UT, DCM

Stoffe, Dinge, Licht und eine Kamera, die ihre Figuren umkreist, als spönne sie die Fäden, in denen sie sich verstricken. Carol, wohlbetuchte Lady der New Yorker upper class, begegnet der Kaufhausverkäuferin Therese mitten im Weihnachtsgeschäft. Es sind die 1950er Jahre, der Film schwelgt in Dekors. Eine Serie von Begegnungen der ungleichen Frauen in sehr unterschiedlichen Lebenslagen führt nicht nur zu vorsichtiger Annäherung, Leidenschaft und Verzweiflung, sondern platziert sie auch im (sexual-)repressiven Klima einer heuchlerischen Zeit. Todd Haynes verbindet seine Liebe für ein Kino der Stars und großen Dramen mit einem klaren Blick für Abhängigkeiten, die vor allem in tabuisierten Beziehungen entstehen. (Annette Brauerhoch, Programmkino Lichtblick e.V., 2018)


MI, 11.12.19

20.00

Mal Seh'n Kino


Gendernauts – Eine Reise ins Land der Neuen Geschlechter

© Edition Salzgeber

DE 1999, R, B Monika Treut, K Elfi Mikesch, S Eric Schefter, M Georg Kajanus, Veronica Klaus, Pearl Harbor, T Andreas Pietsch, P Monika Treut, Hyena Films, Kopie Farbe, DCP von 35mm, 86 min, engl. OV mit dt. UT, Edition Salzgeber

Gendernauts erforscht das Phänomen von Trans-Geschlechtlichkeit. Ort: San Francisco, Zeit: am Anfang des neuen Jahrtausends. Der Film zeigt Gender-Mixer und sexuelle Cyborgs, die ihre Körper mit Hilfe neuer Technologien und Biochemie verändern und damit die Identität von männlich und weiblich in Frage stellen. Auf die Frage: Sind Sie ein Mann oder eine Frau? antworten die Gendernauten mit Ja. Gendernauts stellt uns eine Gruppe faszinierender Künstler in Kalfornien vor, die zwischen den Polen herkömmlicher Geschlechter-Identität leben. Wie die Kosmonauten durch das Weltall und die Cybernauten durch die Netzkultur, so reisen die Gendernauten durch die vielfältigen Welten der Sexualität. (Hyena Films)

In Anwesenheit der Regisseurin


MO, 27.1.20

20.15

Pupille – Kino in der Uni