Programm: Tribut an KIWI – Kino Women International (1987–90)

Ende der 1980er-Jahre ging von Filmemacherinnen aus Osteuropa der Impuls aus, einen internationalen Verband zu gründen, der Austausch und engere Kooperation von Frauen im Film förderte und Kongresse mit Filmschauen veranstaltete: KIWI – Kino Women International. Filmvorführungen und Gespräche vergegenwärtigen die Geschichte von KIWI. Zu sehen sind Einige Interviews zu persönlichen Fragen (Lana Gogoberidze, 1978) und I Am an Ox, I Am a Horse, I Am a Man, I Am a Woman (Sally Potter, 1987–88).

Gäste: Salomé Alexi, Pavla Frydlová, Lana Gogoberidze, Debra Zimmerman u.a.

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Ramdenime interviu pirad sakitkhebze / Einige Interviews zu persönlichen Fragen

GSSR 1978, R Lana Gogoberidze, B Erlom Akhvlediani, Zaira Akhvlediani, Lana Gogoberidze, K Nugzar Erkomaishvili, M Giya Kancheli, T Vladimer Dolidze, P Georgian-Film, Gosteleradio USSR, Gruziya Film, D Sofiko Chiaureli, Gia Badridze, Sketevan Orakhelashvili, Janri Lolashvili, Salome Kancheli, Levan Abashidze, Kopie Farbe, DCP von 35mm, 94 min, georg. OV mit engl. UT, Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V.

Die engagierte Journalistin Sofiko interviewt unterschiedlichste Frauen zu ihren Lebensbedingungen und Wünschen. Der notorische Spagat zwischen Beruf und Familie macht auch ihr zu schaffen. Zu den persönlichen Fragen gehört jedoch nicht zuletzt die nach der Vergangenheit, nach Stalinismus und dem Wie des Weiterlebens. 

„Aber gibt es denn in unserer Filmkunst, in der so viele Frauen mit Fachausbildung arbeiten, etwas, das man wenigstens ‚Frauenfilm‘ nennen könnte? Und was könnte das bedeuten? Vielleicht Lana Gogoberidzes Film Einige Interviews zu persönlichen Fragen, in dem das sozial typische, das leicht Erkennbare und mit vielen von uns vergleichbare an Sofiko genauso wesentlich ist wie das Individuelle, das nur sie allein betrifft und durch ihre persönliche Erfahrung begründet ist. Ein Spielfilm mit Dokumentarausschnitten, der formal ein scheinbar objektiver Film ist, der weder Anspruch auf einen inneren Monolog noch auf subjektive Kameraführung erhebt, der sich aber bei genauerer Überprüfung als Selbstbekenntnis herausstellt, als Dialog einer modernen Frau mit der Realität und sich selbst.“ (Maya Turovskaya, Würde oder Das Geheimnis eines Lächelns, 1991)

Im Anschluss Gespräch mit der Regisseurin


DO 28.11.19

11.00

Pupille – Kino in der Uni


I Am an Ox, I Am a Horse, I Am a Man, I Am a Woman

GB 1987/88, R Sally Potter, P Penny Dedman, Kopie Farbe u. s/w, DVD, 60 min, engl./russ. OV mit engl. UT, Adventure Pictures

In dieser für das britische TV produzierten Dokumentation untersucht Regisseurin Sally Potter die Bedeutung der Filmarbeit von Frauen in der sowjetischen Filmindustrie. In verschiedenen Interviews äußern sich Schauspielerinnen, Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen zu ihren Erfahrungen, darunter Lana Gogoberidze, Inna Churikova, Kira Muratova und Maya Turovskaya. Die politische Lage der Glasnost-Ära ermöglichte es Potter, die Interviews mit zahlreichen Filmausschnitten zu verweben, die im Westen bis dato nicht gezeigt werden konnten. Der Titel des Films spielt auf eine russische Redewendung von Frauen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs an, die sich ohne die einberufenen Männer um die Arbeit zu Hause und auf den Feldern kümmern mussten.


DO 28.11.19

14.00

Pupille – Kino in der Uni


Ein Interview zu frauen-film-politischen Fragen: Die Geschichte von KIWI – Kino Women International in Osteuropa (1987–1990)

Gespräch mit Salomé Alexi, Pavla Frýdlová, Lana Gogoberidze und Debra Zimmerman, Moderation Borjana Gaković

War bei Remake 1 mit dem Women’s Event des Edinburgh IFF das erste europäische Frauenfilmfestival im Fokus unseres Interesses, richten wir mit der zweiten Festivalausgabe unseren Blick nach Osteuropa, wo der Zugang zu Bildung und Beruf für Frauen zwar eher gegeben war, Emanzipation und Gleichberechtigung aber nicht unbedingt daraus folgten. Im Zuge der Perestroika begannen Filmemacherinnen sich zu organisieren, im Juli 1987, während des Filmfestivals in Moskau, kamen 300 Frauen aus 24 Ländern zusammen und beschlossen eine internationale Organisation der Filmfrauen zu gründen. Die Georgierin Lana Gogoberidze und die Ungarin Márta Mészáros wurden als Präsidentinnen dieser Organisation gewählt – künftig unter dem Namen KIWI – Kino Women International bekannt. Internationaler Informationsaustausch, engere Kooperation von Frauen im Film, internationale Distribution und Koproduktion waren Ziele, ebenso wie das Veranstalten von Filmschauen. Der Systemzusammenbruch, die sehr turbulenten 90er-Jahre in Osteuropa, hatte die Auflösung von KIWI zur Folge, die Filmprogramme von damals lassen sich nur in Fragmenten rekonstruieren.

Die Entstehungsbedingungen von KIWI, die Differenzen und Solidaritäten zwischen Ost- und West-Feministinnen/Filmemacherinnen, das damalige Echo in der Öffentlichkeit und die schwierigen Umbruchsjahre sind die Themen des Gesprächs. Ebenso wie die Frage nach Kontinuitäten in heutigen Organisationsformen von Filmfrauen. 

Eintritt frei


DO 28.11.19

15.30

Pupille – Kino in der Uni